Adblocker sind ein kontroverses Thema. Dazu hatte ich bereits einen Artikel geschrieben.

Nun veröffentlichte der von mir sehr geschätzte Karsten Lohmeyer in seinem Blog Lousy Pennies den Artikel “Warum ich mir lieber einen Arm abhacken würde, als einen Adblocker zu benutzen”, den ich nun folgend kommentieren möchte.

Aber als Journalist – und nicht als Normalleser, der es nicht besser weiß – Adblocker zu benutzen, ist in meinen Augen eine Versündigung gegen die eigene Branche. Und einfach blöd, rücksichtslos, kurzsichtig und gemein.

Ersteinmal helfen solche Verallgemeinerungen überhaupt nicht. Auch viele (die meisten?) “Normalleser” kapieren, dass Werbung die Einnahmequelle für Webseiten sind. Es gibt aber sehr viele valide Gründe einen Adblocker einzusetzen. Der bloße Grund “ich will keine Werbung sehen” ist doch nur einer von vielen.

Gerade Journalisten sollten meiner Meinung nach Adblocker einsetzen. Warum?

Sicherheit

Journalisten sind viel im Netz unterwegs und ihre Recherchen zu Themen treiben sie möglicherweise auch auf eher unseriöse Seiten. Hier komplett ohne Adblocker zu surfen wäre sehr unklug. Selbst auf seriösen Seiten ist man vor “böser Werbung” nicht sicher, wie der Malware Vorfall auf Yahoo Seiten Anfang letzten Jahres zeigte, oder im Jahre 2013 bei Spiegel Online.

Dabei wurden Webseitenbesuchern die keinen Adblocker nutzten als Werbebanner getarnte Mal- und Spyware auf das Gerät installiert. Dank Flash Player - der auch auf dem neuesten Stand ein Sicherheitsrisiko darstellt - kann dies auf jeder Seite passieren.

Gerade Journalisten sollten doch ein Interesse daran haben, möglichst sicher im Internet unterwegs zu sein. Dies ist in letzter Konsequenz nur unterstützt durch einen Adblocker möglich. Schon das Blockieren von Flash Player Inhalten, was einige Browser von Haus aus anbieten, erhöht die Sicherheit allgemein. Aber da eben (zu) viele Werbeformen auch weiterhin auf dem Flash Player basieren, ist dies wohl nach Definition von Karsten Lohmeyer auch schon eine Sache, die Journalisten nicht machen dürfen.

Effizienz

Seien wir mal ehrlich. Journalisten wollen Artikel schreiben, möglichst viele, aber natürlich auch möglichst gut recherchiert. Wenn sie auf jeder Seite ersteinmal 10 Sekunden damit verbringen müssen nervige Werbung wegzuklicken und / oder den Inhalt den sie eigentlich aufrufen wollten zu suchen, sind das 10 Sekunden zu viel. Blinkende Banner, Pop-Ups die weggeklickt werden mussen, hineinfliegende Werbung, all das lenkt doch beim Lesen und Verstehen des eigentlichen Inhalts nur ab.

Selbst schuld…

Viele Seitenbetreiber haben aus der Popularität von Adblockern die völlig falschen Schlüsse gezogen. Statt sich Gedanken um die Werbeformen zu machen und Kunden/Nutzerfreundlichkeit höher anzusiedeln konterte man dies mit immer mehr und immer aufdringlicherer Werbung. Dies drängte dann im Umkehrschluss immer mehr Menschen zu Adblockern, weil Werbung immer agressiver und nerviger wurde.

Was nun für Seitenbetreiber?

Wer im Jahre 2015 noch denkt, eine Webseite oder ein Blog kann sich ausschließlich über Bannerwerbung finanzieren, liegt eindeutig falsch. Die goldenen Zeiten von Werbung wie Google Adsense sind vorüber. Ich bestreite nicht, dass man auch damit noch ein paar Mark verdienen kann, aber dies ist nichts im Vergleich zu dem was früher gezahlt wurde.

Interessant ist, dass Lohmeyer in seinem Text Sascha Pallenberg erwähnt, dort aber nur im Zusammenhang mit Adblock Plus. Sascha Pallenberg vollzog mit seinem Portal Mobilegeeks Anfang 2015 einen fulminanten Relaunch und setzt seitdem nicht mehr auf Bannerwerbung, da es sich einfach nicht mehr lohnt. Je früher Seitenbetreiber dies erkennen und sich Gedanken um möglichst kreative aber immer noch besucherfreundliche und ehrliche Werbeformen machen, desto besser für sie.

Mal wieder sind uns da die USA voraus. MacStories beispielsweise hat lediglich einen einzigen Werbebanner, dieser wird von Unternehmen direkt angemietet und ist kein Adsense Banner. Finanziert wird Macstories durch einen jede Woche wechselnden Weekly Sponsor. Dieser erhält eine prominente aber nicht aufdringliche Erwähnung oberhalb der Navigationsleiste, einen Artikel der entweder das Unternehmen oder ein spezielles Produkt beschreibt (eindeutig gekennzeichnet) und eine Erwähnung via Twitter. Zusätzliche Einnahmen generiert man durch Ref-Links zum App Store oder Amazon. Auch das deutsche iPhoneblog fährt einen ähnlichen Ansatz.

Was sollten Journalisten tun?

Ich würde keinem Journalisten raten auf einen Adblocker zu verzichten. Wie in meinem Artikel erwähnt, würde ich allerdings aus Performance-Gründen µBlock empfehlen. Weitere Tools wie Ghostery und NoScript sind ebenfalls empfehlenswert.

Dies ist schon mal eine gute Grundausstattung. Nun kommt aber auch noch das eigene Gehirn ins Spiel. Da ich OS X nutze und kein Java installiert ist, surfe ich grundsätzlich erst mal mit deaktiviertem Adblocker. Ich gebe jeder neuen Seite, die ich besuche eine Chance gut zu mir zu sein. Nervt mich eine Seite mit Werbung (besonders schlimm sind automatisch startende Videos auf voller Lautstärke und Bannerwerbung die sich über den Text legt und / oder nur mit Mühe wegzuklicken ist), schalte ich den Adblocker speziell für diese Seite ein, dieser ist somit bei späteren Besuchen der Seite bereits automatisch aktiviert. Besonders Blogs und kleinere Seiten genießen bei mir dabei aber eine höhere Toleranzgrenze, diese unterstütze ich gerne und nehme mehr Unannehmlichkeiten in Kauf.

Diese Vorgehensweise würde ich jedem - aber insbesondere auch Journalisten - empfehlen. Vor allem aufgrund des Sicherheitsaspektes, gerade Menschen die ihr Geld buchstäblich mit ihren Computern verdienen sollten diese so gut wie möglich schützen.